{"id":1575,"date":"2020-11-05T21:47:04","date_gmt":"2020-11-05T21:47:04","guid":{"rendered":"https:\/\/murban-voices.mur.at\/?p=1575"},"modified":"2020-11-05T21:47:04","modified_gmt":"2020-11-05T21:47:04","slug":"alone-in-the-mountains-day2-part-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/murban-voices.mur.at\/?p=1575","title":{"rendered":"Alone in the mountains &#8211; Day2\/part II"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Lausitzer H\u00f6henweg &#8211; vom Eissee in den Krimmler Tauern nach S\u00fcdtirol und zur Birnl\u00fccke<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Vom Spiegel des Eissees aus, machte ich mich nach einer kurzen St\u00e4rkung wieder auf den Weg. Zuerst ging es leicht abw\u00e4rts \u00fcber sanfte Almwiesen, auf denen Schafe grasten, bevor der Pfad wieder anstieg zum Krimmler Tauern, wo sich der \u00dcbergang zwischen \u00d6sterreich und S\u00fcdtirol befand. Die Sonne hatte sich wieder zwischen den Wolken versteckt und Nebel zog das Windbachtal herauf. Im Nebel trauten sich die Berggeister n\u00e4her an die Wanderer heran als sonst. Neugierig beobachteten sie die einsame Frau, die sich \u00fcber Fels und Stein ihren Weg durch die Nebelschwaden bahnte. Ein Fu\u00df vor den anderen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"750\" src=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1576\" srcset=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_1.jpg 1000w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_1-300x225.jpg 300w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_1-768x576.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Am Krimmler Tauern \u00dcbergang machte sie nicht Halt, zu viele Leute waren dort, zu viele neugierige Blicke in ihr sorgenvolles Gesicht. Schnell schritt sie weiter, hinunter und nach links, den Schildern folgend Richtung Birnl\u00fccke, weiter \u00fcber den Lausitzer H\u00f6henweg. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1333\" src=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1577\" srcset=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_2.jpg 1000w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_2-300x400.jpg 300w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_2-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein altes Zollhaus ragte einsam am Beginn des Weges \u00fcber das Ahrntal hinaus, mit leeren Fenstern in die Weite blickend, wie ein Verbindungsglied zwischen den Zeiten, aus der Vergangenheit zum Heute, ein Erinnerungsst\u00fcck an l\u00e4ngst vergessene Tage. Hinter dem Zollhaus schl\u00e4ngelte er sich fort, der Weg, \u00fcber schroffe Felsplatten und schmale Pfade, unter dem gezackten Gebirgskamm entlang, weiter und immer weiter. Ein Fu\u00df vor den anderen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1333\" src=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1578\" srcset=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_3.jpg 1000w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_3-300x400.jpg 300w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_3-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ich verlor das Zeitgef\u00fchl. Ich sp\u00fcrte keinen Hunger, keinen Durst, keine M\u00fcdigkeit. Weiter, immer weiter. Ich wusste nicht, wie lange der Weg vor mir war, noch, ob ich es bis zur n\u00e4chsten H\u00fctte noch rechtzeitig schaffen w\u00fcrde. Aber ab jetzt f\u00fchrte auch kein Weg mehr zur\u00fcck. Ab jetzt gab es nur noch den Pfad vor mir, dem ich folgen musste, wo auch immer er mich hin f\u00fchrte. Ein Fu\u00df vor den anderen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1333\" src=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1579\" srcset=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_5.jpg 1000w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_5-300x400.jpg 300w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_5-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Und mitten im Gehen, als ich zu ersch\u00f6pft war, um zu denken, zu fokussiert auf die Felsplatten und Steine vor mir, um noch eine kontrollierende Hand \u00fcber alle Gef\u00fchle dr\u00fcber zu halten, die ich davor nicht f\u00fchlen hatte wollen, da brach es endlich durch. Langsam begannen sie zu tropfen. Eine Tr\u00e4ne nach der anderen. Und mit jeder Tr\u00e4ne bahnte sich der Schmerz, den ich die Wochen davor von mir weg geschoben hatte, einen Weg in diese Welt. Ich sah zum Himmel hinauf. Welch Aberglaube! Und trotzdem. &#8222;Es ist nicht fair, es ist verdammt noch einmal nicht fair, es ist nicht fair!&#8220; wurde zum Mantra auf meinem Weg. Ein Fu\u00df vor den anderen. <\/p>\n\n\n\n<p>Was auch immer dein Plan ist Universum, du hast mir in einem ohnehin schon nicht einfachen Jahr auch noch das genommen, was mir am Liebsten war. Du hast mir nicht einmal dieses kleine bisschen Freude verg\u00f6nnt. Nein, ganz im Gegenteil! Du hast mir das Liebste auf die grausamste und unbarmherzigste Art und Weise genommen, die es gibt. Nicht einmal in meinen Albtr\u00e4umen h\u00e4tte sich mein Unbewusstes so etwas ersonnen! Nicht einmal meinem schlimmsten Feind h\u00e4tte ich so etwas gew\u00fcnscht! Nur du, du schei\u00df Universum, du konntest mir auch das nicht erpsaren. Verdammt warum? Nein. Es macht keinen Sinn. Es ist nicht fair. Fick dich! <\/p>\n\n\n\n<p>Und w\u00e4hrend ich tr\u00e4nen\u00fcberstr\u00f6mt einen Fu\u00df vor den anderen setzte, kaum noch setzen konnte und trotzdem weiter ging, seufzten die Berggeister erleichtert auf. &#8222;Na endlich!&#8220; Die j\u00fcngeren Berggeister, die noch nicht alles verstanden, so wie die \u00e4lteren, fragten verwundert nach: &#8222;Aber warum? Warum ist das gut, was sie gerade durchmacht?&#8220; Die \u00e4lteren Berggeister holten die j\u00fcngeren zu sich heran und erkl\u00e4rten es ihnen geduldig: &#8222;Sie ist endlich am Weg der Trauer. Bis jetzt hat sie alles eingemauert und von sich weg geschoben. Sie hat es nicht gef\u00fchlt, was unter der Oberfl\u00e4che brodelt. Aber die Trauer immer wegzuschieben ist nicht gut. Jetzt ist sie da: die Wut, die Verzweiflung, die Ohnmacht. Der Spiegel aus Eis ist zerbrochen. Das Wasser, das durch die Spr\u00fcnge im Eis flie\u00dft, kann ihn endlich beginnen fortzusp\u00fclen, den Schmerz.&#8220; Die jungen Beggeister nickten. Langsam verstanden auch sie die Metapher des Spiegelsees. Neugierig sahen sie der einsamen Wanderin weiter zu, bis ihre Tr\u00e4nen langsam versiegten und sie mit neuer Kraft dem Ziel n\u00e4her kam. Ein Fu\u00df vor den anderen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1333\" src=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_6.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1580\" srcset=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_6.jpg 1000w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_6-300x400.jpg 300w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_6-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Als ich auf der Almwiese oberhalb der Birnl\u00fcckenh\u00fctte ersch\u00f6pft ins Gras fiel, kam auch endlich die Sonne ein wenig heraus. Jetzt hatte ich das \u00c4rgste hinter mir, die l\u00e4ngste Etappe. Das schwierigste St\u00fcck. Der letzte Weg w\u00fcrde mich zur Warnsdorferh\u00fctte bringen, wo ich meine letzte Nacht im Gebirge verbringen w\u00fcrde. Ich lag im Gras und sah den Wolken zu. Ich wusste es nicht mit Sicherheit, aber ich sp\u00fcrte es: einen nicht unerheblichen Teil meiner Last hatte ich dort gelassen, am H\u00f6henweg, im Ahrntal. Und wenn ich nun wieder \u00fcber die Birnl\u00fccke hin\u00fcber ins Krimmler Achental, nach \u00d6sterreich ging, so wollte ich die Last nicht wieder mit mir mitnehmen, sondern dort lassen. Hinter der Birnl\u00fccke, im andern Tal, hinter mir. Und so schritt ich nach kurzer Rast weiter. So wie ich es mir einredete, in eine neue Zukunft. Ein Fu\u00df vor den anderen. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"1333\" src=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1581\" srcset=\"https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_7.jpg 1000w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_7-300x400.jpg 300w, https:\/\/murban-voices.mur.at\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/day2_2_7-768x1024.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lausitzer H\u00f6henweg &#8211; vom Eissee in den Krimmler Tauern nach S\u00fcdtirol und zur Birnl\u00fccke Vom Spiegel des Eissees aus, machte ich mich nach einer kurzen St\u00e4rkung wieder auf den Weg. 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