{"id":344,"date":"2012-11-16T21:42:57","date_gmt":"2012-11-16T21:42:57","guid":{"rendered":"http:\/\/murban-voices.mur.at\/?p=344"},"modified":"2012-11-18T22:21:13","modified_gmt":"2012-11-18T22:21:13","slug":"blut-rausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/murban-voices.mur.at\/?p=344","title":{"rendered":"prey"},"content":{"rendered":"<p>er dr\u00fcckte mir ein gewehr in die hand. rauchschwaden bedeckten die zerkl\u00fcfteten grade, auf denen sich einst \u00fcppige laubw\u00e4lder befunden hatten. wir kauerten uns an die felsen, um die lage zu besprechen. die luft lag schw\u00fcl und dr\u00fcckend \u00fcber unseren stimmen, \u00fcber den s\u00e4tzen, die wir m\u00fchsam und schwei\u00dfdurchdr\u00e4nkt in unsere angsterf\u00fcllten gesichter fl\u00fcsterten. ich hatte noch nie auf menschen geschossen. w\u00fcrde es heute das erste mal sein?<\/p>\n<p>vor dem einsatz st\u00e4rkten sich die j\u00e4ger. sie nahmen riesige brocken rohen fleisches aus ihren proviants\u00e4cken, eingewickelt in jutestoff, blutdurchtr\u00e4nkt. rob dr\u00fcckte mir ein st\u00fcck davon in die hand. ich f\u00fchlte die feuchte, muskul\u00f6se konsistenz, betrachtete das purpurne rot und die sanften linien der fasern. mein hals schn\u00fcrte sich zusammen, mein mund blieb verschlossen.<br \/>\nrob hielt mir eine pistole an die schl\u00e4fe. &#8222;du musst essen! du kannst nicht hungrig auf die jagd ziehen! glaub mir m\u00e4dchen, ich schie\u00df dir eine kugel durch den kopf wenn du nichts isst.&#8220; langsam setzte ich den rohen fleischklumpen an meine lippen. meine zunge schmeckte das blut, das kalte leblose gewebe, z\u00e4h k\u00e4mpften sich meine z\u00e4hne und kauwerkzeuge durch das fleisch. mir wurde \u00fcbel. die konsitenz des fleischbreis in meinem mund wurde immer klobiger und mein hals wollte sich vom w\u00fcrgen nicht zum schlucken \u00f6ffnen. langsam schlie\u00dflich, ronn das zerkaute meine speiser\u00f6hre hinab. bald w\u00fcrde ich mich \u00fcbergeben. rob nahm die waffe von meinem kopf und lehnte sich h\u00e4misch grinsend zur\u00fcck.<\/p>\n<p>in der alten stadt verstecken wir uns in den ruinen verlassener einkaufszentren und kinos. die geisterhaften \u00fcberbleibsel ehemaliger konsumtempel boten uns genug deckung, um uns auf den angriff der herden vorzubereiten. zun\u00e4chst h\u00f6rten wir nichts als unseren eigenen atem, der langsam und zischend in gespannter erwartung immer wieder innehielt. nach ungef\u00e4hr einer stunde, doch ich hatte mein zeitgef\u00fchl bereits verloren, h\u00f6rten wir es: lautes tosen und donnern in der ferne, das langsam aber unwiderbringlich immer lauter wurde und auf uns zurollte, wie eine flutwelle aus l\u00e4rm.<\/p>\n<p>sie hatten die alten kriegsmaschinen f\u00fcr ihre zwecke umgebaut. gro\u00dfe, \u00e4chzende computerfahrzeuge, gesteuert mit einer k\u00fcnstlichen intelligenz, die unabl\u00e4ssig feuersalven in die luft schossen, indem sie die giftigen gase aus der luft fitlerten und verbrannten. die herden hatten sich zwischen ihnen zusammen gekauert und so setzten sie umgeben von den l\u00e4rmenden unget\u00fcmen ihre unabl\u00e4ssige suche nach essbarem fort.<br \/>\nals ein paar von ihnen aus der gruppe ausbrachen, um in den zerst\u00f6rten lebensmittell\u00e4den nach nahrung zu suchen, er\u00f6ffneten die j\u00e4ger das feuer. ein paar individuen aus der herde brachen zusammen, andere stoben fluchtartig auseinander, die gruppe jedoch setzte den weg fort.<br \/>\nein paar der j\u00e4ger st\u00fcrmten wild um sich schie\u00dfend auf die maschinen zu, doch fanden die meisten von ihnen einen grausamen feuertod.\u00a0die luft schien zu kochen. ich schloss mich der gruppe an, die die herden versuchte in einem alten kino zusammen zu treiben und hielt mich von den flammen fern. die aufgabe unseres trupps war es, die unachtsame beute im kino zu umzingeln, zu packen wer nicht schnell genug war und fort von der gruppe zu zerren.<\/p>\n<p>ich griff ein m\u00e4dchen, dem es nicht gelungen war, anschluss zu den anderen zu wahren und brachte sie zu rob. doch als rob ihr gesicht sah, riss er mir die beute aus der hand und drehte sie brutal zu mir herum indem er sie an den haaren packte. &#8222;siehst du das? dieses m\u00e4dchen ist entstellt! diese beute nehmen wir nicht. wir essen keine entstellten, das risiko ist viel zu hoch!&#8220;<br \/>\njetzt erst erkannte ich, dass das m\u00e4dchen an der unheilbaren krankheit litt, die es seit dem biologischen krieg gab. ihre gesichtsz\u00fcge waren verzerrt und ihr leerer ahnungsloser blick erz\u00e4hlte von der geistigen verwirrung, die es ihr unm\u00f6glich machte zu erahnen, in welch bedrohlicher situation sie sich noch bis vor kurzem befunden hatte. rob lie\u00df sie gehen. um uns herum die verzweifelten schreie derer, die vertsanden hatten, dass es mit ihnen bald zu ende gehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>trotz all der technischen errungenschaften der letzten jahrhunderte, waren die menschen immer noch abergl\u00e4ubisch geblieben. deshalb war es tabu f\u00fcr die j\u00e4ger, das fleisch von kranken zu essen, so wie es f\u00fcr die herden tabu war, menschen zu jagen. sie ern\u00e4hrten sich stattdessen von schimmligem reis und anderen vorr\u00e4ten, die sie in den verlassenen st\u00e4dten noch finden konnten.<br \/>\nseit dem einsatz der chemischen waffen wuchsen kaum noch pflanzen auf dem land und die meisten essbaren tierarten waren ausgestorben. viele menschen verhungerten auf der suche nach nahrung, wenn sie nicht an den krankheiten starben, gegen die sich das menschliche immunsystem erst mit der zeit zu verteidigen gelernt hatte. vor vielen jahren hat der hunger ein paar menschen so verzweifelt gemacht, dass sie begonnen hatten, ihresgleichen wie vieh abzuschlachten. ich hatte mich nun bei ihnen eingeschlichen, um ihr verhalten zu studieren.<\/p>\n<p>doch nun, da ich mich mit den j\u00e4gern tats\u00e4chlich mitten unter den herden befand, konnte ich den menschen um mich herum nicht mehr ins gesicht sehen. mein forschungsprojekt hatte sich einem kritischen punkt gen\u00e4hert. die vielen unschuldigen kinder, die eine viel zu leichte beute waren. die emotionslosigkeit mit der sich sowohl j\u00e4ger, als auch herden ihrem schiksal ergaben. so als h\u00e4tte es niemals menschlichkeit gegeben auf diesem planeten. so als w\u00e4ren unsere seelen gemeinsam mit den kulturen untergegangen, die der krieg dem erdboden gleich gemacht hat. es gab nicht einmal mehr g\u00f6tter, die ich um vergebung f\u00fcr meine grausamen taten bitten konnte. wir alle k\u00e4mpften\u00a0 nur noch darum, weiter zu leben, in einer welt, die wir f\u00fcr uns selbst unbewohnbar gemacht hatten.<\/p>\n<p>(nach einem traum &#8211; 9.10.2012)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/murban_voices.weblog.mur.at\/murban_voices\/uploads\/2012\/11\/DSC09443.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-359\" title=\"SONY DSC\" 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