Alone in the mountains – Day2/part II

Lausitzer Höhenweg – vom Eissee in den Krimmler Tauern nach Südtirol und zur Birnlücke

Vom Spiegel des Eissees aus, machte ich mich nach einer kurzen Stärkung wieder auf den Weg. Zuerst ging es leicht abwärts über sanfte Almwiesen, auf denen Schafe grasten, bevor der Pfad wieder anstieg zum Krimmler Tauern, wo sich der Übergang zwischen Österreich und Südtirol befand. Die Sonne hatte sich wieder zwischen den Wolken versteckt und Nebel zog das Windbachtal herauf. Im Nebel trauten sich die Berggeister näher an die Wanderer heran als sonst. Neugierig beobachteten sie die einsame Frau, die sich über Fels und Stein ihren Weg durch die Nebelschwaden bahnte. Ein Fuß vor den anderen.

Am Krimmler Tauern Übergang machte sie nicht Halt, zu viele Leute waren dort, zu viele neugierige Blicke in ihr sorgenvolles Gesicht. Schnell schritt sie weiter, hinunter und nach links, den Schildern folgend Richtung Birnlücke, weiter über den Lausitzer Höhenweg.

Ein altes Zollhaus ragte einsam am Beginn des Weges über das Ahrntal hinaus, mit leeren Fenstern in die Weite blickend, wie ein Verbindungsglied zwischen den Zeiten, aus der Vergangenheit zum Heute, ein Erinnerungsstück an längst vergessene Tage. Hinter dem Zollhaus schlängelte er sich fort, der Weg, über schroffe Felsplatten und schmale Pfade, unter dem gezackten Gebirgskamm entlang, weiter und immer weiter. Ein Fuß vor den anderen.

Ich verlor das Zeitgefühl. Ich spürte keinen Hunger, keinen Durst, keine Müdigkeit. Weiter, immer weiter. Ich wusste nicht, wie lange der Weg vor mir war, noch, ob ich es bis zur nächsten Hütte noch rechtzeitig schaffen würde. Aber ab jetzt führte auch kein Weg mehr zurück. Ab jetzt gab es nur noch den Pfad vor mir, dem ich folgen musste, wo auch immer er mich hin führte. Ein Fuß vor den anderen.

Und mitten im Gehen, als ich zu erschöpft war, um zu denken, zu fokussiert auf die Felsplatten und Steine vor mir, um noch eine kontrollierende Hand über alle Gefühle drüber zu halten, die ich davor nicht fühlen hatte wollen, da brach es endlich durch. Langsam begannen sie zu tropfen. Eine Träne nach der anderen. Und mit jeder Träne bahnte sich der Schmerz, den ich die Wochen davor von mir weg geschoben hatte, einen Weg in diese Welt. Ich sah zum Himmel hinauf. Welch Aberglaube! Und trotzdem. „Es ist nicht fair, es ist verdammt noch einmal nicht fair, es ist nicht fair!“ wurde zum Mantra auf meinem Weg. Ein Fuß vor den anderen.

Was auch immer dein Plan ist Universum, du hast mir in einem ohnehin schon nicht einfachen Jahr auch noch das genommen, was mir am Liebsten war. Du hast mir nicht einmal dieses kleine bisschen Freude vergönnt. Nein, ganz im Gegenteil! Du hast mir das Liebste auf die grausamste und unbarmherzigste Art und Weise genommen, die es gibt. Nicht einmal in meinen Albträumen hätte sich mein Unbewusstes so etwas ersonnen! Nicht einmal meinem schlimmsten Feind hätte ich so etwas gewünscht! Nur du, du scheiß Universum, du konntest mir auch das nicht erpsaren. Verdammt warum? Nein. Es macht keinen Sinn. Es ist nicht fair. Fick dich!

Und während ich tränenüberströmt einen Fuß vor den anderen setzte, kaum noch setzen konnte und trotzdem weiter ging, seufzten die Berggeister erleichtert auf. „Na endlich!“ Die jüngeren Berggeister, die noch nicht alles verstanden, so wie die älteren, fragten verwundert nach: „Aber warum? Warum ist das gut, was sie gerade durchmacht?“ Die älteren Berggeister holten die jüngeren zu sich heran und erklärten es ihnen geduldig: „Sie ist endlich am Weg der Trauer. Bis jetzt hat sie alles eingemauert und von sich weg geschoben. Sie hat es nicht gefühlt, was unter der Oberfläche brodelt. Aber die Trauer immer wegzuschieben ist nicht gut. Jetzt ist sie da: die Wut, die Verzweiflung, die Ohnmacht. Der Spiegel aus Eis ist zerbrochen. Das Wasser, das durch die Sprünge im Eis fließt, kann ihn endlich beginnen fortzuspülen, den Schmerz.“ Die jungen Beggeister nickten. Langsam verstanden auch sie die Metapher des Spiegelsees. Neugierig sahen sie der einsamen Wanderin weiter zu, bis ihre Tränen langsam versiegten und sie mit neuer Kraft dem Ziel näher kam. Ein Fuß vor den anderen.

Als ich auf der Almwiese oberhalb der Birnlückenhütte erschöpft ins Gras fiel, kam auch endlich die Sonne ein wenig heraus. Jetzt hatte ich das Ärgste hinter mir, die längste Etappe. Das schwierigste Stück. Der letzte Weg würde mich zur Warnsdorferhütte bringen, wo ich meine letzte Nacht im Gebirge verbringen würde. Ich lag im Gras und sah den Wolken zu. Ich wusste es nicht mit Sicherheit, aber ich spürte es: einen nicht unerheblichen Teil meiner Last hatte ich dort gelassen, am Höhenweg, im Ahrntal. Und wenn ich nun wieder über die Birnlücke hinüber ins Krimmler Achental, nach Österreich ging, so wollte ich die Last nicht wieder mit mir mitnehmen, sondern dort lassen. Hinter der Birnlücke, im andern Tal, hinter mir. Und so schritt ich nach kurzer Rast weiter. So wie ich es mir einredete, in eine neue Zukunft. Ein Fuß vor den anderen.

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Alone in the mountains – Day 2 / part I

Von der Richterhütte (2.374 m) über die Windbachscharte (2.697 m) zum Eissee, ca. 2,5h Gehzeit

Die erste Nacht in den Bergen war unruhig. Von meinen wirren Träumen wachte ich ständig auf und döste wieder ein, oft nur halb, und lag rastlos in meinem Schlafsack, wo ich versuchte dem Wind und Regen zu lauschen. Doch die Gedanken in meinem Kopf forderten ständig meine Aufmerksamkeit. 6 Stunden Schlaf mussten reichen für die Tour. In der halben Stunde, in der ich wieder in komatösen Tiefschlaf fiel, kurz bevor mein Wecker mich zum Frühstück weckte, hatte ich dennoch einen wunderschönen Traum. Du warst auch da. Das Bild aus dem Traum nehme ich mit in den Tag.

Nach dem Frühstück verabschiede ich mich noch einmal bei der Hüttenwirtin und bedanke mich für alles. Sie sieht mich prüfend an: „Woasch scho wiasch geasch?“ Ich habe ihr am Vorabend gesagt, dass ich den Höhenweg alleine gehen will, egal wie lang der Hadsch wird, da ich einiges zu verarbeiten habe. Normalerweise macht man solche Touren nicht alleine, ich weiß, aber es muss sein. Ich war schon oft alleine in den Bergen unterwegs, um meinen Seelenfrieden wieder zu finden, doch dieses Mal ist es anders. Ich habe Angst, ich zweifle, ich fürchte mich vor Selbstüberschätzung. Trotzdem antworte ich lächelnd und schulterzuckend: „Naja, schaug ma moi wias Wetta wiad.“ Die Hüttenwirtin lächelt mich an. „Naja, ausgrüstet bisch jo guat, des honni gseang. Wo a immer dei Weg hingeaht, i wünsch da, dass dei Vorhaben gelingt!“ Ich bring tapfer ein „danke“ über die Lippen und schlucke die Tränen hinunter, die in meiner Kehle hochsteigen. Mein Kopf murmelt: „Wenn du lei wüschtesch, wos i ma von da Seel gea meg …!“ Doch keine Zeit für Tränen oder Trauer. Ich muss los! Wenn ich in ungefähr zehn Stunden auf der Warnsdorferhütte sein will, dann muss ich jetzt los!

Der Weg zur Windbachscharte steigt hinter der Richterhütte über einen felsigen Pfad, steil nach oben. Bald ist mir nicht mehr kalt und ich überhole die Wandergruppen, die vor mir aufgebrochen sind. Der letzte Teil des Anstiegs ist nass und rutschig vom Regen, der Ausblick von der Scharte leider verhangen von einer dicken Nebelwand. In dem grauen Rauch um mich herum gibt es gar nichts, weder rechts noch links abseits des Weges. Es gibt nur den Pfad, dem ich folge. Alles, was ich sehe sind die nächsten Schritte vor mir, ein Fuß vor den anderen. Again. Ich falle in meine übliche Trance, während meine Füße sich auf die Felsplatten und die Markierungen konzentrieren, jeder Tritt ein ausbalancierter kleiner Tanz, der mich vorwärts trägt.
Zwischendurch blitzt ein Stück blauer Himmel samt Sonnenstrahl hervor, doch nur, um dann gleich wieder zu verschwinden. Diese kurzen Momente des Lichts gewähren mir dann doch immer wieder einen verträumten Blick auf das Windbachtal unter mir, oder die Felsspitzen über mir, und geben mir neuen Mut. Ich bin wieder hier!

Neugierig verfolgen die Berggeister meine Wanderung, „Ihr Kopf ist noch viel zu verhangen mit dunklen Gedanken, genauso wie das Tal,“ flüstern die einen kopfschüttelnd. „Ja,“ antworten die anderen. „Wir sehen diese Gedanken ganz genau! Die hängen immer noch bei diesen seltsamen Menschen ganz unten im Flachland, die keinen dieser Gedanken wert sind!“ Die Geister verziehen sich murmelnd und kichernd in ihre Höhlen, bis einer ruft: „Lasst uns ein paar Löcher in die Nebelwand und in die Wolken reißen! Ein Blick in die Weite wird sie dran erinnern, welche Dinge ihre Aufmerksamkeit wirklich verdienen!“ Und so pusten und prusten die Berggeister vergnügt in die Wolkendecke. „Na?,“ rufen sie fröhlich. „Habt ihr das Lächeln in ihrem Gesicht gesehen, als die Sonne ganz kurz, für ein paar Sekunden, ihre Stirn geküsst hat?“ Die anderen nicken zufrieden. „Es wird schon, es wird schon langsam. Sie ist erst am Beginn ihrer Reise. Geduld. Ihre Seele wird schon auch noch hier heroben ankommen, wenn sie erst einmal in den Spiegel des Eissees geblickt hat!“

THE ICE LAKE

Climbing dormant moss-grown rocks to see
what lies behind impenetrable misty shrouds
they promised me a view so free
into the truth of cureless wounds

Veiled and silent it lies in front of me
nestling in a trough of stone and snow
a giant mirror, turquoise, blue and teal
transparently leading me into my soul

Inside this mirror I see the people I lost, the people I left
the memories made, the pains I gained, the essence of my past
I watch my face, the facets I know, the unknown, the rest
sad eyes, like mountain waters deep, discerning aghast
the oneness of space and time and thought and dream
the nothingness of past and present hurt and grief
the sense of theurgy and spells that mean
that all is one in what we believe

the ancient Ice Lake told me to move on
into the realm of the grimalkin
like parts of me have always done
to meet the fay within

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Alone in the Mountains – Day 1

Vom Krimmler Tauernhaus (1.631m) durchs Rainbachtal zur Richterhütte (2.374m)

… Mist! Ich hab zu lange geschlafen! Der Wecker hat geklingelt, aber ich hab ihn weg gedrückt. Mein erschöpfter Kopf wollte noch nicht auf. Und jetzt ist ist mein ganzer Zeitplan kaputt. Schon zweifelte ich an meinem Vorhaben. Mein ganzer Körper fühlte sich an wie Blei. Jede Faser durchzogen von Schmerzen für die es keine passenden Worte gab. Und in der Mitte davon, ein Herz, das mit jedem Schlag wie ein tonnenschweres Gewicht nach unten zog. Gravitation. Sollte ich die Tour vielleicht doch wieder absagen?

Irgendwie hab ich es dann doch geschafft. Gepackt, aufgeräumt, mich von den Hausgöttinnen verabschiedet. ‚Gebt gut acht auf mein Heim, auf die Pflanzen am Balkon, auf meinen Zufluchtsort vor der Welt. Wenn es sein soll, dann komm ich wohlbehalten wieder.‘

Die Fahrt wurde zum Wettlauf gegen die Zeit. Hier eine Baustelle, dort ein Stau, vor sich hin trödelnde Urlauber, ländlich-gemächliche Traktoren … TICK! TACK! Verdammt … ich hab zu lang geschlafen! Mein müder Kopf. Die Bleigewichte meiner Gedanken, die jede meiner Unternehmungen zu einem Kraftakt machten. TICK! TACK!

Nach viel Fluchen und Kamikaze-Überholmanövern dann endlich: 16:05, Krimml, Parkplatz 3. Um 16:15 fährt das Tauerntaxi los. Der Fahrer hat zum Glück auf mich gewartet. Gerade noch geschafft! Hab ich was vergessen? Egal. Jetzt ist es ohnehin zu spät. Ab jetzt gibt es nur noch den Weg und mich und mein erstes Ziel: die Richterhütte!

Vom Krimmler Tauernhaus geht der Weg gleich einmal steil hinauf durch den Wald ins Rainbachtal. Die Luft ist kühl und feucht, dicke Wolken hängen zwischen den Bergspitzen. Ich bin alleine. Mutterseelen alleine. Hier gibt es nur noch den Wind, das Rauschen des Rainbachs, und die Erinnerungen, die neben meinem Rucksack voll mit Ausrüstung und Proviant die schwerste Last auf meinen Schultern sind. Ein Fuß vor den anderen. Im Gehen wird langsam alles ruhig. Mein Kopf hört langsam auf damit diese ständigen Fragen zu stellen, auf die es keine Antwort gibt. Er wird genauso still wie das Hochtal vor mir, von dessen grünem, saftigen Talboden die felsigen Bergspitzen hochragen.

Hier liegt noch Schnee auf den Gipfeln. Es gibt nichts, außer die Allmacht der Natur, die uns alle daran erinnert, wie klein und unbedeutend wir in Wahrheit sind. All die Fragen in meinem Kopf verlieren an Bedeutung. Der Wind weht sie fort, hinauf zu den Graten, wo sie im Vorbeifliegen von den Berggeistern spöttisch beäugt und mit lautem Kichern weitergeschickt werden. „So so!“, murmeln die Geister. „Du hast also noch die Illusion, deine Traurigkeit und Trauer wären hier heroben von Belang! Hahaha, du bist nun in unserem Reich, hier ist das Heim der Stille und der Meditation. Du hast dein Ego an der Schwelle zu unserer Welt abgegeben, doch dein Kopf haftet noch daran! Na warte, das treiben wir dir gleich einmal aus, diesen Schmafu!“ Und mit diesen Worten pusten die Berggeister mit vereinten Kräften in die Wolken.

Es beginnt zu regnen, erst leicht, doch bald prasseln die Tropfen immer heftiger auf meine Kapuze. Ich beschleunige meinen Schritt, schneller und schneller, der Kälte und Nässe zum Trotz. Auch im letzten felsigen Anstieg vor der Hütte behalte ich mein Tempo bei. Ein Fuß vor den anderen. Die nassen Steinplatten hinauf, das Ziel vor Augen. Ich bin klatschnass, als ich dort ankomme. Die Hüttenwirtin hat noch ein Bergsteigeressen für mich aufgehoben. Bevor ich mich in die Stube zu den anderen setze, wasche ich mich mit dem kalten Wasser aus der Leitung. Hier gibt es nur Gletscherwasser. Ich frage die Hüttenwirtin noch einmal nach der Tour, die ich geplant habe: „Du konsch scho über den Höhenweg und die Birnluckn zur Warnsdorferhütte gehn, oba es isch a weita Hatscha und du bisch aloa. Alternativ konsch durchs Windbachtal und des Achental zur Hittn, des isch nit gonz so long zan gea. Überlegsch da holt.“

Nach dem Essen und dem Zirbenschnaps zieh ich mir im Lager auf dem Dachboden den Schlafsack über die Nase. Doch der Schlaf will nicht kommen. Ich brauche einen schönen Gedanken, um einschlafen zu können. Wo sind alle meine schönen Gedanken hin? Es gibt nichts mehr worauf ich hoffe, was ich wünsche, oder wovon ich träumen will. Ich suche jeden Winkel meines Kopfes ab. Schließlich geb ich es auf und lausche nur noch den Regentropfen, die sanft auf das Dach der Hütte prasseln. „Ich habs geschafft! Ich bin wieder hier!“ Mit diesen Worten in meinem Kopf schlafe ich dann endlich ein und tauche in ein Reich aus wirren Träumen.

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Die kleine Schildkröte und der Bär: Der Garten

Es war ein … nun ja, ein kalter Wind wehte über die Wiese und über Nacht hatte der Frost sich wieder an den Gräsern festgesetzt … aber laut Kalender zumindest, laut Kalender war es ein Frühlingstag. Zitternd, hatten sich die kleine Schildkröte und der Bär vor den eisigen Windböen im Gebüsch versteckt und beobachteten die Zweige über ihnen, wie sie sich im Wind bogen.
Das Herz der kleinen Schildkröte war schwer. Sie fühlte sich seit einiger Zeit so einsam, denn sie konnte ihre Freunde nicht sehen. Sie durfte, so die Mama und der Papa Schildkröte, bis zum Gartenzaun und bis zum Haus zurück. Aber hinaus aus dem Garten und in die Schildkröten-Schule, da durfte die kleine Schildkröte nicht. Die Schildkröten-Eltern hatten ihr oft erklärt warum. Aber so ganz verstand sie es immer noch nicht. Sie wusste nur eines: ihre Freunde fehlten ihr unglaublich! Und langsam aber sicher, da wurde es im Garten ziemlich langweilig.
„Ach Bär,“ seufzte die kleine Schildkröte. „Warum sind wir auf dieser großen Welt so alleine und verloren?“ Der Bär brummte. „Was meinst du denn damit, liebe Schildkröte?“ „Naja,“ antwortete die Schildkröte. „Ich bin hier und auch wieder doch nicht. Jeden Tag spaziere ich entlang des Gartenzauns, beobachte die Käfer und die Blumen, nehme wahr, wie die Knospen jeden Tag ein Stückchen mehr aufblühen, aber ich kann diese Erfahrung mit niemandem teilen. Ich bin allein hier, hinter dem Gartenzaun. Niemand sieht mich und ich sehe auch niemanden. Und die schönen Blumen hier, die jeden Tag aufblühen, und die lustigen Käfer, die sehe nur ich allein. Früher einmal, da hätte ich meinen Freunden in der Tier-Schule davon erzählt. Und sie hätten mir auch erzählt, was in ihren Gärten so passiert. Aber jetzt? Jetzt sitzen wir alle ganz alleine hinter unseren Gartenzäunen. Die Welt ist unendlich groß und doch so klein. Wie kann ich mich nur über diese kleine Welt freuen, wenn ich sie mit niemandem da draußen in der großen Welt teilen kann?“

Der Bär wiegte seinen Kopf nachdenklich hin und her. Der Wind brauste in den Ästen. Vor lauter Kälte beutelten sich die Schildkröte und der Bär, also legte der Bär der kleinen Schildkröte eine wärmende Tatze über den Panzer. „Hmmmmmm,“ brummte er. „Also weißt du? Ich glaube nicht, dass wir ganz getrennt sind von der Welt da draußen, von der Welt außerhalb des Gartenzauns!“ „Warum nicht?“ fragte die Schildkröte. „Hmmmm,“ brummte der Bär wieder. „Naja, weil schau doch einmal in den Himmel. Fällt dir was auf?“ „Nein, was denn?“ jammerte die Schildkröte. „Najaaaa,“ brummte der Bär. „Also der Himmel, der ist über unserem Garten. Aber er ist auch außerhalb. Er geht unendlich weit, von links nach rechts und von unten bis oben. Das heißt also, der Himmel geht auch bis zu den anderen Gärten hin.“ Die Schildkröte wiegte nachdenklich den Kopf. „Stimmt,“ murmelte sie. „Aaaaalsoooo,“ brummte der Bär. „Wenn der Himmel von unserem Garten bis in andere Gärten und unendlich viele Gärten reicht, dann gibt es ja auch eine Verbindung von unserem Garten bis in die Gärten von unseren Freunden. Und wenn man die Himmelsroute nimmt, dann sind wir ja eigentlich gar nicht mehr voneinander getrennt, oder?“ Die Schildkröte lächelte: „Ohja!“ Der Bär nickte und fuhr fort: „Deshalb kannst du ja auch gar nicht wissen, ob die anderen Tierkinder nicht spüren können, welche Gedanken du ihnen schicken willst. Denn wenn du deine Gedanken und Bilder und Gefühle mit den Wolken dort oben im Wind über das Himmelsdach mitschickst, dann werden sie irgendwann über den Gärten deiner Freunde schweben und deine Freunde werden die Wolken sehen und an dich denken!“ Die kleine Schildkröte lächelte noch mehr. „Oooohjaaaaa!“ rief sie begeistert.
Als die Sonne schließlich herauskam, war es auch nicht mehr so kalt. Also lagen der Bär und die kleine Schildkröte gemeinsam in der Wiese und beobachteten die Wolken am Himmel und schickten jeder einzelnen Wolke einen blumigen Gedanken für die anderen Tier-Kinder mit. Sie lachten und brummten und grunzten vor Freude. Und der kleine Garten, den sie nicht verlassen durften, war plötzlich gar nicht mehr so klein. Innerhalb des kleinen Gartens lagen plötzlich unendlich viele Möglichkeiten verborgen. Man musste nur den Blick in den Himmel richten und schon war die Welt unfassbar groß und wunderbar.

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ATLANTIS

between scattered rocks, laying bare
naked bodies – innocent – like children
at the shores of a bay, human presence where
silence is the only constant and pudency lies hidden

ancient landscapes surrounding the ocean
remnatns of times past
when waterdrops shaped rocks continuously
relentlessly forming
creating corners and edges, transitory
that will never last
like our bodies, bronze tanned skins
catching the rays of light
for the moment, one summer, one season
but hopelessly longing
for eternal bliss
on a lonely beach out of sight

there is an old couple splashing water onto each other,
like kids playing in the sea, old familiar pals
and a child searching for coloured stones with her mother
and a lonely diver who is counting his shells

and there is me, only me, like always, alone
diving into the pages of my books and underwater
absorbing the moment and reaching farther
for answers and wisdom and some sort of home

happiness lies in the moment, they say
and i am watching those couples, bathing naked in the sea
like gods and goddesses of another time, places far away
and i feel that the sky is the limit, we are all free
even if solitude is what seems
to limit me in my dreams

at least for a moment i have found it:
the magical realm of Atlantis








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Cityscapes #1

walking those streets
unfamiliar, yet

trying to make home what does not feel like home
yet

the only constant in life is reshaping
of who you are and spaces you are dwelling in
constantly meeting yourself within realms
of the unknown

i have become estranged to myself
too often, searching
wandering
homeless
indeed

i am still aiming to take my gound
cultivate my soil, establish my roots

they have not been given to me
i’m an aerial root
longing for soil

like a flower that emerges from a fissure in concrete
a flower that hooks its roots inside rocks
i have tried to make myself indigenous
to whatever surrounding
there might be

the stranger within me is a stranger to myself
adjusting, aligning, assimilating

but the ME within me keeps
waiting for a like-minded pack of lobas
a family to belong to
one day

between rocks or concrete
capabale of rooting
awaiting
rhizome

“The self is only a threshold, a door, a becoming between two multiplicities”
Deleuze & Guattari – A Thousand Plateaus

 

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Why poetry and writing has saved my life …

„There’s a reason poets often say ‚Poetry saved my life‘, for often the blank page is the only one listening to the soul’s suffering, the only one registering the story completely, the only one receiving all softly and without condemnation.“ – CLARISSA PINKOLA ESTES

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Ís enda Bál

i’ve been walking roads
in a strange light

they took me where my feet walked
they carried me along the paths
of heartbreak, daydreams
and wonder

the sun was dimmed and i clinged to that book
and to that can of beer (Viking :-))
and the story took
me on a path of self-discovery
by means of words alone
a revealing daft allegory

dystopian tales of a red maid in chains
invisible chains of the mind
a parable of rape and the logic behind
made me look back and forgive
myself for being raped
by someone I trusted
by someone I loved

i discovered an old lover long lost
between pages and wisely crafted words
i found this old pal again:
literature, writing
the art of words

i embraced this long lost love as a lonely traveller
in strange lands
strange lights
solitude
literature, my old love
aimed to provide answers
and raise questions

and while i was standing there in awe of nature
the most powerful force there is
and while i was breathing in ceaseless wind
under a sky lit by that strange yellow gleam
and while i was devouring the stories crafted by Atwood
most inspecting, haunting, yet true
i finally allowed myself to feel, in mere solitude
the ache of letting go
the ache of forgiving myself
for something that wasn’t
and never has been
my fault

in true silence, in the face of a windy beach, a rainy mountain top,
in true silence is, where we can finally hear our hearts mourn
and the process of mourning is what we need
to move on

i survived, that’s it
once more

an artist of survival indeed
and writing – the art of words – the healer
for the pains of loss
loss of time

to overcome heartbreak might take ages
why?
because life without love ain’t life
so be it
love is the only constant in life
FIRE AND ICE

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Mini Joys

Enjoy the small things, they said.
So I went to the local Mini Market. To buy some fruits and wine.
There I saw your arms, strong, muscular, tanned.

There was nothing more than a friendly and timid smile. And a Hello.
I smiled back. Hello.

It went on like this. Everytime I came for buying just small things.
Once you passed me in the aisle. From behind. There was not much space between me and the shelves. So your hand very carefully and softly brushed my shoulder and arm and you said Sorry. So I stepped aside. But this soft, careful touch of yours, gently, as if you’re stroking my arm like a feather while still trying to feel the smooth texture of my skin with every fingertip of yours, it gave me the bumps.

This is the way I want to be looked at. This is the way I want to be touched.

When you finally took your courage to talk to me, I was surprised.
You tried to look brave, manly, self-assured. But I could see through your boyish facade.
You were as nervous as me. Trying to impress. I liked that.

But still I got scared and never visited your shop again until the day of my departure. You had touched something inside me that I’d thought lost, or that I had deliberately buried deep inside. And unleashing it kind of freaked me out.

So I’d subconsciously decided to cherish the small things.
That shy smile. That soft touch. That over-compensating behaviour of yours, trying to impress me, though, not really knowing what to say. Soft and clumsy at the same time.
I enjoyed every little second. Even if nothing ever happened. Not more than that.

The only thing I was pretty sure of was, that this little smile and the shy hellos we gave each other at that point, meant the world to both of us. To you, because perhaps the tourists never usually see you, with kindness, you, the shop assistant. And to me, because I am not used to be seen, as I am not pretty. It restored something inside me, though, a wound that needed mending. If I would have been brave enough, I would have hugged you good bye. Just for this little gift of being seen, as a woman, and touched, like a treasure.

Thanks.

 

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Vienna #2_Perspectives

a brighter visit
a lighter time of year
and points of transition


i am counting stars within the celestial body of urban stratospheres
a smokey bar again, with crazy reflections of the past on the walls
and handicraft instructions for a brighter future
projected onto the ceiling
chin up, girl!

walking the same old roads
brushing away memories
that’s not me anymore
that was someone who barely felt
her feet touching the ground
this time it’s different
i’m focussed
determined
now i know
where
i am


the old familiar new
a destination without pressure
a love without a lover
devotion to the profane
the simplicity of a silent afternoon
between photographs
reflecting on a life
already in 3D


and the passion for stories
written by life
no drama
no more

i’ve taken life apart in order to see
the substance between the pieces
that keeps it together
the bigger picture

it ain’t the frame
it ain’t the content
it’s just the way
you decide to
look at it

the layers are many
the deconstruction
infinite

but in the end
it’s just a matter
of perspective


(Thanks to Alfons Schilling and Westlicht Gallery for inspiration. /
Thanks to Vroni, Lisa, Ahi, Christina, Sigi and Gertud
for being an irpiring constant in my life)

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